Jung, blond, tot … der 2. Versuch

08. July 2008 | posted in Na, wer war der Mörder? | 1 Comment »

Zu Beginn sei kurz eingeräumt, dass mein erster Ausflug in die Welt von Andreas Franz nicht ganz meinen Nerv traf.
Es war nicht direkt der Stil, sondern eher das unterschwellige Gefühl, von Anfang an zu wissen, wer der Mörder war.
Mein Gefühl sollte mich nicht täuschen. Was es meist tat, denn die raffinierten Wendungen sind es, die mich verdutzt auf die Seiten starren lassen, wenn ich mal wieder daneben lag. Aber das macht doch erst einen richtig guten Krimi aus. oder?!

“Jung, blond, tot” hingegen konnte ich nicht aus der Hand legen.
Kaum begonnen, taucht man in die traurige und abnorme Kindheit des Mörders ab. Oh nein, Namen werden nicht genannt, sondern nur in harten, traurigen Bildern aufgezeigt: wie ein kleiner Junge, dessen Mutter als Prostituierte (von zuhause aus) das Geld zum Leben verdient, seine Kindheit verlebt.
Szenenwechsel, Beginn der Handlung: Eine noble Gegend in Frankfurt – die High Society und ihre Probleme, nett unter dem Teppich drapiert.
Einblicke in diese versnobte Gesellschaft erhält man durch einen “schrägen” Psychologen, dessen wahre Liebe seinem Spiegelbild gilt. Diskretion gehört zu seinem Beruf und so reihen sich namenhafte Lady`s ein, um ihre ehelichen Probleme zu schildern und kurz Einblicke in ihr inneres Seelenleben zu geben – und sei es nur für eine halbe Stunde.

Überschattet wird der normale Alltag, durch den Fund eines jungen Mädchens. Auf grausame Weise ermordet und zurecht gemacht: das blonde Haar zu Zöpfen geflochten, welche mit roten Bändern zusammengehalten werden. Und sie wird nicht das einzige Opfer bleiben.
Mühevoll beginnt die Puzzlearbeit der Kommissare – und im Endeffekt muss auch fleißig unter den Teppichen der High Society gekehrt werden…

Ein spannender Krimi, dessen detaillierte Schilderungen oft unter die Haut gingen:
Aber fesselnd bis zum Schluß.

Die Fälle von Markby und Mitchell

02. April 2008 | posted in Na, wer war der Mörder? | No Comments »

15 Bände lang war ich auf Mörderjagd mit Alan Markby, dem drahtigen Polizisten und Meredith Mitchell – einer Frau im diplomatischen Dienst.
Ihrer Neugier und ihrem Talent, das Verbrechen regelrecht anzuziehen, verdankt sie es, dass sich von Fall zu Fall die Bande zw. ihr und Markby vertiefen/ verändern.
Weibliche Intuition sozusagen, wer kennt sie nicht :o)
Oft durch diese auf die richtige Spur gelenkt, an anderer Stelle fungiert sie als “Klotz am Bein”.

Jedes Buch schließt den Kreis des Verbrechens: Eifersucht, das eigene Einholen der Vergangenheit, Erpressung, Geltungsbedürfnis oder gar ein geheimes Doppelleben?
Die Fälle sind abwechslungsreich und stellenweise mit überraschenden Ende.

Eine Zugstunde von London entfernt liegt der ruhige Ort Bamford, eine gemütliche Kleinstadt, umringt von kleinen Dörfern.
Man würde annehmen, dass sich dort `Hase und Wolf` gute Nacht sagen, aber: es sind “beschauliche” Orte von Lug, Trug – ja sogar Mord.
Man trifft immer mal wieder auf Einheimische, die das Leben vor Ort tagtäglich prägen : Mitarbeiter der Polizeistation Bamford oder wie den etwas schrulligen Pfarrer Holland (immer auf seinem alten Motorrad unterwegs), der seine Schäfchen kennt.

Das Taschenbuchformat ist ein traumhafter Begleiter in der Handtasche.
Zugegeben, ich konnte nicht alle 15 Bände hintereinander “verschlingen”.
Ich mußte zwischendurch aus der ländlichen Idylle ausbrechen, da sich sonst Monotonie, Stil und Herangehensweise betreffend, ausgebreitet hätte.
Aber immer mal wieder mit in eine neue Kriminalgeschichte von A. Markby und M. Mitchell verwickelt zu werden, war spannend und abwechslungsreich zugleich.
Die ständige Frage: Entwickelt sich eine Liebe fürs Leben zwischen den beiden? – wird zum guten Schluß aufgelöst.

Fazit: ich bin nachwievor eher skeptisch gegenüber Buchreihen eingestellt.
Auch wenn mich diese Krimireihe von Ann Granger gefesselt hat.

Eine leichte + unterhaltsame Kost, gespickt mit britischem Humor, für Krimifans, die den Stil Agatha Christie`s lieben.

“Ich bitte nicht um mein Leben” (Marina Nemat)

25. July 2007 | posted in Na, wer war der Mörder? | No Comments »

Diese bösen, verleitenden Bücherkataloge – die aufgefrischt stets dann den Briefkasten ereilen, zumindest meinen, wenn mein Bücherwurm-Dasein nach neuem Futter schreit.
Frisch gedruckte Seiten entführten mich in neue Krimi-Sphären … und beim allgemeinen Durchblättern blieb mein Augenmerk auf diesem Buch hängen.
Die Autorin beschreibt ihre Kindheit in den 70zig – 80ziger Jahren.
Ich las nur die kurze Einführung:
Marina war 14 Jahre alt, als Ayatollah Khomeini im Iran die Macht übernahm. In der Schule rebellierte die junge Christin gegen die islamistischen Indoktrinierung, gab eine verbotene Schülerzeitung heraus. Eines Abends wurde sie abgeholt, im berüchtigten Evin-Gefängnis verhört und gefoltert. Ein Schnellgericht verurteilt sie zum Tode …”
Ich mußte dieses Buch lesen. Und das tat ich auch.
Ihre Schildungen sind locker und nicht zu emotional (also es tropft nicht so, dass man einen Eimer drunter stellen muss) aber auch nicht zu trocken, so dass man auf jeder Seite ins Stocken kommt.
Ich komme mir wirklich naiv vor – ich hätte nie gedacht, dass es im iranischen Raum mal ein normales Leben gab: Tanzstudios, Frisörläden, unbeschwertes Baden von Jugendlichen beider Geschlechter in der Öffentlichkeit … schmökerte ich in einem Märchen?
Doch je weiter ich M. Nemat`s Kindheitsjahren folgte, desto düsterer und furchteinflößender wurde der Inhalt:
Inhaftierung, Erschießungskommando`s, Folter, Meinungsunterdrückung – Gewalt und Krieg.
Das Bild von diesem Land und dessen Leben darin wandelte sich in das, was ich kenne und stets im Fernsehen sehe.

Ins Detail möchte ich gar nicht eintauchen – man muss es lesen und den Wandel des Landes mit ihren Augen verfolgen.
Ein böses, leider wahres “Märchen”.